Obwohl es zu den am besten untersuchten Substanzen der Zahnmedizin gehört, steht Fluorid häufig in der Kritik. Dem Faktencheck halten die Negativmeldungen nicht stand.
- Die Wirkung von Fluorid ist klar belegt
- Fluorid ist zentraler Baustein der Kariesprophylaxe
- Im Internet kursieren Falschmeldungen über Fluorid
Kaum ein Wirkstoff polarisiert im Internet so stark wie Fluorid. In sozialen Netzwerken kursieren Behauptungen über angebliche Gesundheitsrisiken, Vergiftungen und sogar verminderte Intelligenz. Die Wissenschaft widerspricht diesen Aussagen klar.
Fluorid ist seit Jahrzehnten ein unverzichtbarer Wirkstoff gegen Karies. Laut Bundeszahnärztekammer bildet es neben dem täglichen Zähneputzen das Fundament der modernen Kariesprophylaxe. Der Rückgang von Karies in den letzten zwei Jahrzehnten ist maßgeblich dem breiten Einsatz von Fluoriden zu verdanken. „Zwischen wissenschaftlichen Fakten und den Behauptungen im Netz klafft eine riesige Lücke. Bedenklich viele Unwahrheiten über Fluorid verunsichern Verbraucher zunehmend“, sagt Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative proDente e.V.
Gezielter Schutz für die Zähne
Früher glaubten Forscher, Fluorid wirke vor allem während der Zahnentwicklung im Körper. Heute weiß man: Entscheidend ist die Wirkung an der Zahnoberfläche. Fluorid stärkt den Zahnschmelz gegen Säureangriffe, fördert dessen natürliche Remineralisierung und hemmt säurebildende Bakterien. Das Kariesrisiko sinkt nachweislich. Die wichtigste Fluoridquelle ist Zahnpasta. Zahnärzte und Kinderärzte empfehlen ab dem ersten Zahn zwei Mal täglich eine reiskorngroße Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta bis zum 2. Lebensjahr, danach zwei Mal täglich eine erbsengroße Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta bis zum 6. Lebensjahr. Ab dem 6. Geburtstag kann dann zwei Mal täglich mit einer Erwachsenenzahncreme geputzt werden.
Fluoridversorgung in Deutschland
Entgegen vielen Behauptungen müssen Menschen Fluorid nicht über Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen. Es ist kein essenzieller Nährstoff. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät von der zusätzlichen Fluorid-Einnahme ab, bewertet allerdings die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz als sinnvolle Maßnahme zur Kariesprophylaxe.
Fluorid kommt in kleinen Mengen in Lebensmitteln wie Fisch, Mineralwasser und Tee vor – auch Matcha zählt dazu. Fluoridiertes Speisesalz ist seit 1991 im Handel.
Zu viel Fluorid?
Eine Überdosierung ist im Alltag kaum möglich. Wie bei vielen Stoffen gilt: Die Dosis macht das Gift. Eine dauerhaft überhöhte Aufnahme von Fluorid kann während der Zahnentwicklung bei Kindern zu Dentalfluorosen führen. Erkennbar an kleinen weißen Flecken auf den Zähnen. Daher gelten in Deutschland klare Empfehlungen zur Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta bei Kindern. „Fluorid ist kein Trend, sondern Wissenschaft. Es reduziert das Kariesrisiko signifikant und gehört zu den am besten untersuchten Wirkstoffen der Zahnmedizin“, erklärt Prof. Dr. Stefan Zimmer, Leiter der Abteilung für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke.
Fluorid im Trinkwasser
In Deutschland wird Trinkwasser nicht künstlich fluoridiert. Der natürliche Fluoridgehalt liegt im Schnitt bei 0,1 Milligramm pro Liter. Über 90 Prozent der Proben enthalten weniger als 0,3 Milligramm pro Liter – weit unter dem gesetzlichen Grenzwert von 1,5 Milligramm. Auch Mineralwasser unterliegt strengen Vorgaben: Es darf maximal 5 Milligramm Fluorid pro Liter enthalten.
Beeinträchtigung der Intelligenz?
Im Internet wird oft behauptet, Fluorid schade der geistigen Entwicklung von Kindern. Grundlage sind Beobachtungsstudien aus Ländern mit sehr hohen natürlichen Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser. Das BfR und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben diese Daten geprüft. Ihr Fazit: Die Studien reichen nicht aus, um einen Zusammenhang zwischen Fluorid und kognitiven Beeinträchtigungen zu belegen. „Umgekehrt gibt es eine neue Studie, in der Jugendliche bessere Ergebnisse beim Lesen und Rechnen aufweisen, wenn die Fluoridzufuhr gesichert ist“, erklärt Dirk Kropp.
Wissenschaft statt Panik
Die Fakten sind eindeutig: Fluorid schützt wirksam vor Karies und gehört zu den bestuntersuchten Substanzen der Zahnmedizin. „Verbraucher sollten sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren, nicht an fragwürdigen Schlagzeilen aus sozialen Medien“, betont Dirk Kropp. „Wer zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzt, tut das Beste für gesunde Zähne.